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Fail: Istanbul Panorama 1453

Am Samstag hatte ich eine Idee: ich würde endlich ein Museum in Istanbul besuchen, zu dem ich seit fast fünf Jahren fahren wollte. Das Panorama 1453, das ein riesiges Panoramabild der Eroberung Istanbuls ist. Es liegt auch gar nicht so weit von mir entfernt, günstig direkt an der Straßenbahnhaltestelle Topkapı. Ich kam also gut hin. Das ist leider fast alles Positive, was ich berichten kann.

Fail: Istanbul Panorama 1453 Museum

Der Park um das Museum bis hin zur Stadtmauer – das Museum liegt ungefährt dort, wo Fatih Mehmet der Eroberer mit seinem osmanischen Heer die byzantinische Stadtmauer durchbrach – ist auf den ersten Blick hübsch, auf den zweiten sehr sehr dreckig. Er scheint ein beliebtes Ausflugsziel für konservativste Türken zu sein, die dort picknicken. Sie bringen sogar ihre eigenen Teppiche mit, vergessen aber, ihren Müll mitzunehmen. Selbst in den kleinen Teichen schwimmt mehr Plastik als Wasser.

Fail: Istanbul Panorama 1453 Museum

Richtig furchtbar wurde es dann, als ich mich in die lange Schlange zum Museum einreihte. So etwas habe ich tatsächlich noch nie erlebt. Die Frauen – es waren immer nur die Frauen, die Männer blieben ganz ruhig – keiften, drängelten sich vor, schubsten … das ganze Programm. Es ging ihnen nicht schnell genug ins Museum, sie konnten nicht direkt am Zaun im Panorama selbst stehen, weshalb sie alle anderen bzw. sich eigentlich fast nur gegenseitig zur Seite schoben. Sie streckten ihre Köpfe und Arme in jede Richtung, hoben ihre Kinder hoch, um den besten Selfie überhaupt zu schießen – an jeder Stelle. Dazu schrien sie in einer Lautstärke, dass selbst die Hintergrundmusik im Panorama völlig unterging – und ein Heer von 80.000 Mann war bestimmt nicht leise.

Fail: Istanbul Panorama 1453 Museum

Das Panorama selbst ist wirklich schön gemacht, soweit ich das beurteilen kann. Die Besucher stehen in der Mitte und können (theoretisch) im Kreis herumlaufen, um die Malerei zu betrachten. Dazwischen gibt es eine Art Graben, in dem alte Kanonen und Kriegsutensilien stehen. Aber dennoch ist das Museum nicht die 10 Lira vollen Eintritts wert, denn außer dem Gemälde gibt es nichts weiter. Zum Glück habe ich als Lehrer Rabatt bekommen, sonst hätte ich mich noch mehr geärgert. Kein Mann traut sich, die Frauen zurückzupfeifen, wodurch ein riesiges Chaos entsteht und der Genuss völlig verloren geht. Vielleicht ist es in der Woche besser, wenn nicht ganze Busse türkischer Tanten dort abgeladen werden, von denen keine ohne 1.000 Selfies nach Hause fährt. Aber ehrlich gesagt gibt es in Istanbul so viele andere Museen, so dass man dieses gut weglassen kann.

Fail: Istanbul Panorama 1453 Museum

On Saturday I had an idea: I would finally visit a museum in Istanbul that I had wanted to go to for nearly five years. Panorama 1453, which is a huge panorama picture of the conquest of Istanbul. It’s not that far away from where I live, and directly at the tram stop Topkapı. It was easy for me to get there. This is pretty much the whole positive side.

The park around the museum and stretching to the city walls – the museum is about where Fatih Mehmet the Conquerer together with his Ottoman army burst the Byzantine city walls – is beautiful at first sight, but very dirty at second sight. It seems to be a popular place amongst very conservative Turks, who go there to picnic. They even bring their own carpets, but forget to take their garbage home. Even in the little ponds there is more plastic than water.

Fail: Istanbul Panorama 1453 Museum

It got really terrible when I queued up for the museum. Never before have I experienced something like this. The women – it was only the women, the men stayed calm – nagged, queue-jumped, pushed … the whole package. They couldn’t enter the museum fast enough, they couldn’t all stand in the first row at the fence in the Panorama, so they pushed the others or rather each other aside. They put their heads and arms into every direction, lifted up their kids, only in order to take the best selfie of all – everywhere. They also shouted so loudly that you could hardly notice the background sound of the museum – and an army of 80.000 men was definitely not quiet.

The Panorama itself is quite nice, as far as I can tell. The visitors stand in the middle and (theoretically) walk in a circle to see everything. In between there is something like a trench in which there are old canons and other war equipment. Still the museum isn’t worth the 10 Lira entrance fee because there isn’t anything besides the painting. At least I got a reduction for being a teacher. Otherwise I would have been even more annoyed. No man there is brave enough to call any of the women off, which is why there is a big chaos and the pleasure gets lost. Maybe it’s better during the week, unlike Saturday when whole busloads of Turkish aunts were dropped off there, of whom none goes home before having taken at least 1,000 selfies. But to be honest, there are so many great museums in Istanbul that you can just forget about this one.

© Janavar

Immer wieder sonntags #77

In 67 Tagen fliege ich. Tausche meine 3-Raumwohnung gegen ein Zimmer in einer Zweier-WG, das chaotische Istanbul gegen das geordnete Boston. Vor einem Jahr wusste ich noch nicht, dass ich Istanbul so schnell verlassen wollte. Und doch habe ich nicht einmal an meiner Entscheidung gezweifelt und das sage ich wirklich sehr selten. Richtig sicher bin ich mir eigentlich nur beim Filterkaffee am Morgen und dem Nickerchen am Nachmittag. Normalerweise treffe ich meine Entscheidungen nach dem Ausschlussprinzip: ich überlege, was ich alles nicht will, und nehme dann das, was überbleibt. So bin ich auch in Istanbul gelandet – ich wollte z.B. auf keinen Fall nach Kolumbien, von wo ich mein erstes Jobangebot hatte. Ok, es war am Ende eine gute Wahl, die ich nie bereut habe. Aber wie toll wird dann erst Boston werden, eine Stadt die ich mir ganz bewusst ausgesucht habe? Genau das ist vielleicht der Punkt: ich habe mir Boston ausgesucht, Istanbul hat mich ausgesucht. Zumindest fühlt es sich so an. Um nach Istanbul zu gehen hatte ich weniger als drei Monate Zeit, hatte keine Vorstellung von der Stadt. Auf Boston werde ich mich fast zehn Monate lang vorbereitet haben. Ich glaube, ich habe noch nie vorher eine so durchdachte Entscheidung getroffen und ich freue mich auf ihre finale Umsetzung in 67 Tagen.

|Gesehen| SATC Staffel 6
|Gelesen| Dear life, InStyle, Lonely Planet Turkey
|Gehört| n-joy, KAIND, Eminem
|Getan| gearbeitet, das Istanbul Panorama 1453 besucht, endlich alle Dokumente für meinen US-Mietvertrag bekommen und sofort abgeschickt
|Gegessen| Lasagne, Lachs, Avocado
|Getrunken| Wasser, Kaffee, schwarzen Tee
|Gedacht| Nur noch so wenig Zeit bis zum Umzug. Ich habe doch noch gar nichts von der Türkei gesehen.
|Gefreut| dass für den Mietvertrag alles klar ist
|Gelacht| als ich mit meiner Freundin in Deutschland geskypt habe
|Gewünscht| jemanden, der meine Wohnung auf- und ausräumt – hätte da jemand Interesse???
|Gekauft| Flüge, ein Minikleid (vielleicht auch zwei *hust*)
|Geklickt| Blogs, Snapchat, Pinterest, Lonely Planet, Skyscanner

Canavar, janavar.net Canavar, janavar.net

janavar.net janavar.net

I’m departing in 67 days. Exchanging my 3-room apartment for a room in a shared apartment, chaotic Istanbul for tidy Boston. A year ago I didn’t know I wanted to leave Istanbul so soon. But I still never questioned my decision, something I say very very rarely. Actually I’m only really sure about my brewed coffee in the morning and the nap in the afternoon. I usually come to a decision with the help of the exclusion principle: I think about everything I don’t want and take what is left. That’s how I came to Istanbul – I didn’t want to go at all to e.g. Columbia, from where I had gotten my first job offer. OK, in the end it was a good choice, that I’ve never regretted. But how great is Boston going to be, a city I’ve chosen deliberately? That might be it: I’ve chosen Boston whereas Istanbul chose me. At least this is how it feels. I had less than three months time to prepare before I moved to Istanbul, I didn’t have any idea about the city. For Boston I’m going to have prepared for nearly 10 months. I think I’ve never reached such a well-wrought decision before and I’m really looking forward to its final realization in 67 days.

|Watched| SATC series 6
|Read| Dear life, InStyle, Lonely Planet Turkey
|Listened to| n-joy Radio, KAIND, Eminem
|Done| worked, visited Istanbul Panorama 1453, finally got all the documents I need for my US rental contract and sent them immediately
|Eaten| lasagne, salmon, avocado
|Drunk| water, coffee, black tea
|Thought| So little time left till I’m moving. I have hardly seen anything of Turkey.
|Been glad| that I’ve got everything for the rental contract
|Laughed| with my friend from Germany when we skyped
|Desired| somebody who sorts my apartment – anybody interested?
|Bought| flights, a mini dress (or maybe two *cough*)
|Clicked| blogs, Snapchat, Pinterest, Lonely Planet, Skyscanner

© Janavar

April 2015 favorites

Schon ist der April fast rum und damit das erste Drittel des Jahres. Anfang Januar dachte ich noch, die Tage würden nie vergehen. Aber natürlich tun sie das. Nicht immer gleich schnell und auf keinen Fall gleich schön. Aber es geht immer weiter. Richtung Schuljahresende, Richtung Sommer, Richtung Umzug … Ich plane meine letzten Reisen durch die Türkei, weshalb mein Lonely Planet weiter mein treuer Begleiter ist. Mit seiner Hilfe bin ich über Ostern durch Kappadokien [hier] gereist, wo ich mir auch die süße Strickkatze als Souvenir gekauft habe. Die und viele andere Stofftiere werden dort vor Ort von den Frauen angefertigt, was mir mehr zusagt als beispielsweise in China angefertigte Magnete.

April favorites 2015

Auch ziemlich neu ist das Lash Growth Serum von Gosh, das einfach unschlagbar ist, v.a. für den Preis von umgerechnet etwa 10 € – ich hatte noch nie so schöne, lange Wimpern – und meine Augenbrauen rettet es auch gerade. Außerdem habe ich mir den Selbstbräuner von Solait zugelegt, weil das Wetter zu dermaßen mies war, dass ich wenigstens künstlich an meiner Bräune arbeiten will. Das Gel funktioniert einwandfrei für Gesicht und Körper. Es war übrigens der einzige Selbstbräuner, den ich finden konnte. Es ist kein Produkt, das eine Türkin mit ihrem tollen dunklen Teint braucht (ja, es spricht der pure Neid aus mir).

Das T-Shirt habe ich selbstverständlich in Boston gekauft und trage es sehr gerne. Kreiert wurde es von Schülern, die beim Projekt Artists for Humanity [afhboston.org] arbeiten. Die Ohrringe sind alle neu und aus einem der vielen Billigschmuckshops in meinem Stadtteil. Im Moment habe ich total Lust, jeden Tag andere und auffällige Ohrringe zu tragen. Auch ist gerade meine große Sneakers-Zeit, hauptsache rosa. Früher war ich ein absolutes Adidas-Mädchen, gerade liegt irgendwie Nike vorn. Aber sowohl die Nike Air als auch die Priority Mid sind mega bequem und zaubern mir beim Aprilwetter relativ gute Laune. Für den Mai wünsche ich mir trotzdem endlich mehr als zehn Grad.

Außerdem habe ich in diesem April Snapchat entdeckt und bin begeistert. Okay, eigentlich haben es mir meine Schüler schon vor einem Jahr erklärt, aber da hat außer türkischen Teenagern irgendwie noch niemand die App benutzt. Ich poste zwar nicht täglich, schaue mir aber sehr gerne die Videos anderer Blogger an. Von mir gibt es häufig Kater-Videos, aber ich übe mich auch in anderen Themen. Mein Nickname ist (natürlich) janavar.

April favorites 2015
April favorites 2015

April is nearly over and thus the first third of this year. At the beginning of January I was thinking those days would never go by. But of course they do. Not always at the same pace and also there are better and worse days. But it always goes on. Towards the end of the school year, towards summer, towards moving … I’m planning my last trips within Turkey which is why my Lonely Planet is a constant companion. With its help I traveled Cappadocia at Easter [here]. There I also bought the cute knitted cat as a souvenir. This one and many other stuffed animals are made in that region by local women, something I really prefer to magnets produced in China for instance.

April favorites 2015

My Gosh Lash Growth Serum is also quite new. It cannot be beaten, esp. since it only costs about €10. I never had such beautiful, long lashes before, and now it’s even saving my eyebrows. Besides, I bought the Solait self tanning lotion because the weather is so bad that I want to work on my tan at least artificially. The gel works without problems both for the face and body. It was the only self tanning lotion I was able to find by the way. It’s not really a product a Turkish woman needs for her great dark teint (yes, I’m green with envy).

I bought the t-shirt in Boston of course and wear it often. It was designed by teenagers who work for the project Artists for Humanity [afhboston.org]. All these earrings are new, I found them in one of the cheap jewelry stores just around the corner. At the moment I totally feel like wearing a different pair of noticeable earrings every day. Also it is sneakers – pink ones mainly – time for me. Formerly, I was an Adidas only kind of girl, but right now I prefer Nike. The Nike Air as well as the Priority Mid are very comfy and lift my mood a bit despite all this April weather. For May I’m still hoping for more than 10°C.

Besides, in April I discovered Snapchat and love it. Actually my students explained it to me already a year ago, but then except for Turkish teenagers nobody seemed to use that app. I don’t post on a daily basis, but like to watch other bloggers’ videos. So far I’ve mostly posted Canavar videos, but also try to broaden the topics. My nick name is (of course) janavar.

© Janavar

Auswandern: Ein US-Visum bekommen – oder: Warum bin ich keine Katze?

Hallo. Ich heiße Jana, glaube an den American Dream und hatte es mir ursprünglich etwas einfacher vorgestellt, in ein Einwanderungsland wie die USA zu gelangen. Dann stellte ich aber fest, dass es leichter ist, den Kater in die USA zu bringen als mich. Ich schließe daraus, dass die USA Katzen gegenüber Menschen als Einwanderer bevorzugen. Um es ganz genau zu nehmen, bin ich gar kein Einwanderer. Ich bin ein nonimmigrant. Mein Visum heißt J1, ist ein Austauschvisum und auf maximal fünf Jahre begrenzt. Falls es mir dort sehr gut gefällt, habe ich ab sofort fünf Jahre Zeit, reich zu werden oder einen reichen Mann zu finden, um eventuell ein anderes Aufenthaltsvisum zu bekommen. Vielleicht habe ich Glück und Obama ändert die Immigration Laws noch. Vielleicht aber auch nicht.

Nach ausführlicher Recherche im Spätsommer des letzten Jahres hatte ich gelernt, dass die US-Immigration Laws verdammt kompliziert sind, dass ich nicht besonders genug bin um es einfach zu haben (ich kann beispielsweise kein Arabisch, bin keine Nonne oder ein berühmter Forscher), kurzum: dass ich nicht einfach so in die USA ziehen kann. Ich brauchte ein Visum um einen Job zu bekommen und einen Job um ein Visum zu bekommen. Das Zauberwort: Sponsor. Den habe ich in meinem zukünftigen Arbeitgeber gefunden, der mich anfordern und dafür meine finanzielle Absicherung versprechen musste.

Auswandern: Ein US-Visum bekommen - oder: Warum bin ich keine Katze?

Wenigstens einer von uns ist total relaxed und ich trage immerhin meine rosarote Brille

Nachdem ich den Ausdruck mit dem Antrag meines Sponsors (DS-2019) zugeschickt bekommen hatte – per Post, ein Zeichen: die türkische Post hat den Brief nicht verloren, die Türkei will mich eindeutig loswerden – kam meine eigentliche Aufgabe: ich musste für mein Visum ein anderes Dokument (DS-160) online ausfüllen. Zu Anfang dachte ich noch, wie nett. Das war in der ersten halben Stunde, als ich versuchte, ein passendes Passfoto hochzuladen und einfache Angaben zu meiner Person einzugeben, während das Programm zweimal abstürzte. Irgendwann war ich angekommen auf der Seite, auf der ich anklicken musste, ob ich mal Terrorist war, ob ich Terrorist bin, ob ich vorhabe, Terrorist zu werden. Ob ich schon einmal eine Frau zur Abtreibung gezwungen habe. Ob ich Kindersoldaten rekruitieren wolle. Ob ich Drogenhändler sei. Ob ich Mafioso werden wolle. Usw. Ganz ehrlich: irgendwann muss man einfach nur noch der Versuchung widerstehen, “ja” zu klicken. Als ich dann dachte, ich hätte den USA bereits alles über mich erklärt, kam am Schluss noch die Frage nach zwei Kontaktpersonen, die im Wohnsitzland leben müssen und deren vollständige Adresse etc. angegeben werden muss, damit sie im Zweifelsfall bestätigen können, dass ich ich bin.

Das abschließende Bestätigen aller Daten und über drei verschiedene Webseiten irgendwann zur Bezahlung zu gelangen war nach den zweieinhalb Stunden vorher fast pipileicht, aber eben nur fast. Man muss z.B. erst einmal herausfinden, was man eigentlich wo bezahlen muss. Am Ende machte ich online auch einen Termin zum Vorsprechen im US-Konsulat in Istanbul aus und natürlich lag jeder freie Termin mitten am Vormittag. Diesmal ging ich ganz deutsch vor: bereits zwei Tage vorher hatte ich zehnmal kontrolliert, ob ich auch wirklich die richtigen und alle Unterlagen beisammen hatte; am letzten Mittwoch stand ich schon kurz vor 10 Uhr morgens vorm US-Konsulat. Mein Termin war um 11 Uhr. Das US-Konsulat hier ist seit wenigen Jahren in Istinye eine moderne Festung auf einem Berg, schön gelegen, aber weit weg. Und ich war viel zu früh. Der Mann am Eingang schickte mich noch einmal vom Tor weg und ich trank gegenüber vom Konsulat einen Tee. Dort gibt es mehrere Cafés, die die armen Konsulatsbesucher aufwärmen, ihnen im Notfall Passfotos mit den richtigen Maßen machen und deren Handys sowie sonstige elektronische Geräte für jeweils 5 Lira beaufsichtigen – die dürfen nämlich nicht mit reingenommen werden.

Um kurz vor 11 stand ich wieder vorm Zaun, zusammen mit rund zwanzig anderen Leuten, die ebenfalls einen 11 Uhr-Termin hatten. Am Tor wurde erst kurz meine Tasche durchsucht, dann kontrolliert, ob ich wirklich einen Termin habe. Dann stellte ich mich für die Sicherheitskontrolle an, die meinen Speicherstick fand, den ich vergessen hatte, auszupacken. Da auf dem alle wichtigen Dateien meiner Arbeit sind, bekam ich leichte Panik, dass der nun vielleicht zerstört würde, aber nach kurzer Betrachtung durfte ich ihn doch behalten. Von dort ging ich zum Empfang, wo meine Dokumente ganz genau kontrolliert und geordnet wurden. Eine ältere Frau wurde wieder zurück (zum Café) geschickt, weil sie kein Passfoto dabeihatte. Ich hingegen durfte den Fahrstuhl betreten und damit erst so richtig die heiligen Konsulatshallen. In der Visumsstelle erhielt ich eine Nummer und eine Broschüre über alle meine Rechte als Arbeitnehmer in den USA. Sehr ermutigend. Ich dachte mir, sie würden mir wohl kaum das Heftchen in die Hand drücken, wenn sie mein Visum verweigern wollten.

Am ersten Schalter wurde ich nur kurz nach meinem Namen gefragt, musste meine Unterlagen abgeben und dann warten, dass ich aufgerufen wurde, um meine Fingerabdrücke abzugeben. Als ich dann wieder auf den Wartestühlen saß, beobachtete ich türkische Studenten beim Interview. Einige wurden auf Türkisch, andere auf Englisch gefragt und einige mühten sich mit schlechtem Englisch arg ab, während sie Auskunft über völlig verschiedene Dinge geben mussten – und die wollten nur ein Reisevisum. Mein Kopfkino ließ schon einen Horrorfilm ablaufen: man würde mich fragen, warum ich überhaupt in die USA wollte; ob ich auch ganz sicher in fünf Jahren wieder zurückgehen würde und wohin dann eigentlich; warum ich eigentlich an der Greencard lottery teilnahm, wollte ich nicht also doch immigrant sein statt nonimmigrant …? Als ich endlich aufgerufen wurde, war mir ganz flau im Magen, aber der Vizekonsul lächelte freundlich und fragte, ob ich das Interview auf Türkisch oder Englisch führen wolle. Englisch natürlich. Ich war fast ein wenig traurig, dass er mich nicht nach meinem Lieblingsfußballverein fragte (Galatasaray!), sondern nur kurz nach meinem jetzigen Job und nach meinem zukünftigen Job in Boston. Dann unterschrieb er mein DS-2019 und erklärte mir, dass mein Pass mit dem Visum innerhalb der nächsten zwei Tage abgeschickt würde.

Ich verließ das Konsulat mit einem breiten Lächeln und konnte schon vorgestern den Pass von der Post abholen. Auch hier klappte zu meiner Überraschung alles: der Pass ging nicht in den Tiefen der Türkischen Staatspost verloren und die Dame am Schalter war so unfreundlich wie immer. Das Visum glänzt in meinem Pass und ich muss es immer wieder angucken. Heute in genau zehn Wochen fliegen der Kater und ich nach Boston – er mit Pass und Gesundheitszeugnis, ich mit Pass, Visum und hundert anderen Zetteln, die ich alle mitführen muss.

This text is about how I’ve got my US visa. I’m sorry, but it’s too long to translate. Thank you for your understanding.

© Janavar

Outfit: Cat in spring

Alles für die Katz! Aber natürlich und immer und gerne! Als mein Canavar in der letzten Woche verschwunden war, hätte ich sogar meine Manolos hergegeben, nur um ihn zurückzubekommen. Allerdings bin ich auch nicht traurig, dass mir das erspart geblieben ist. Inzwischen geht es meinem schwarzen Kater wieder ausgezeichnet. Er ist ganz sauber und flauschig, ausgeschlafen und hat genug Wasser und Nahrung aufgenommen. Schön ist auch, dass er im Moment sehr anhänglich und streichelbedürftig ist. Endlich liegt er auch wieder auf meinem Schoß, was er zuletzt als Kätzchen getan hat. So eine Woche im Keller hat durchaus Vorteile. Also im Nachhinein. Allerdings stand er doch tatsächlich schon am Sonntagmorgen wieder an der Wohnungstür und miaute lautstark, weil er spazieren gehen wollte – nix is! Das kann der werte Herr sich total abschminken.

Outfit: Cat in spring | janavar

Dass ich einen Katzentick habe, zeigt sich ja immer wieder. Daher zeige ich euch heute ein entsprechendes Outfit, denn ich besitze sehr sehr viele schöne Katzen-Klamotten. Bei diesem Look habe ich mich für die Großkatze entschieden. Die Sachen sind super bequem, aber durch die jeweiligen Muster nicht langweilig. Den Frühlingsmantel habe ich in meinem ersten Jahr in Istanbul gekauft und liebe ihn immer noch. Erstens wegen der Farbe, zweitens wegen dem Schnitt und drittens weil ich ihn in der Übergangszeit jedes Frühjahr wieder brauche.

Outfit: Cat in spring | janavarOutfit: Cat in spring | janavar

“It’s all for the cat” is actually the literal German saying for “it’s for the birds”. And for me it’s always for the cat. When Canavar had disappeared last week, I’d have even given my Manolos to get him back. But then again I’m not so sad that I was spared this. By now my cat is really well off. He is clean again and fluffy, he slept long, ate and drank enough. What is also nice is that right now he is much more attached to me and wants to cuddle all the time. He even lies on my lap, which he last did when he was still a kitten. As you can see a week in the basement has some adventages. But only afterwards. Even so, Canavar stood at the apartment door on Sunday morning and meowed loudly because he wanted to take a walk – no way! He can totally forget about this.

Outfit: Cat in spring | janavar

Well, I’m showing you again and again that I am a crazy cat lady. Therefore I today show you a matching outfit. I do own many clothes with cats on them. In this case with big cats. All these pieces are super comfortable, but because of the patterns not boring. I bought the spring coat during my first year in Istanbul and still love it. First of all because of the color, secondly because of the shape and thirdly because I really need it every spring again when it’s still chilly outside.

Outfit: Cat in spring | janavar

Outfit: Cat in spring | janavar

Coat: Mango (old)
T-shirt: Zara (old)
Jeans: Zara (old)
Sneakers: Nike Air
Bag: Primark (old)
Small necklace: Kurshuni
Hamsa necklace: Stonebul
Ring: from a bazaar

Fotographer: Annett Gröger

© Janavar

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