Osmanische Küche im Hacı Abdullah

In glücklichen Beziehungen neigen Menschen laut einer Studie des Max-Weber-Instituts für Soziologie der Universität Heidelberg dazu, zuzunehmen. Zum Glück gibt es den Valentinstag nur einmal im Jahr, um noch Schlimmeres zu verhindern. Also zumindest bei Y. und mir. Wir waren vorgestern Abend nämlich groß essen in dem osmanischen Restaurant Hacı Abdullah, das 1888 eröffnet wurde und von Abdülhamid II (dem 34. von insgesamt 36 osmanischen Sultanen) selbst die Lizenz erhielt.

Beim Hineingehen in das  Restaurant, das in einer Nebenstraße der Istiklal Caddesi liegt (zwischen der Ağa-Moschee und dem Demirören-Einkaufszentrum), fielen mir zuerst die vielen getrockneten Granatäpfel sowie unzählige große Gläser mit eingelegtem Obst auf, die an einer Wand sogar gestapelt sind. Um sicher zu gehen, abends einen Platz dort zu bekommen, sollte man entweder reservieren oder rechtzeitig (spätestens um 20 Uhr) hingehen. Denn das Restaurant ist immer voll: mit türkischen Familien, Pärchen, Freunden, Businesspartnern, Touristen. Ich beobachtete von der Ecke, in der wir dafür strategisch günstig saßen, vier türkische Freunde, von denen drei in Jeans und Pullover und der vierte in einem Kaftan und mit Gebetsmütze bekleidet waren. Oder die Gruppe von italienischen, französischen und türkischen Geschäftsleuten, von denen die Nichttürken alle Rotebeetesaft zum Essen tranken (das Hacı Abdullah schenkt keinen Alkohol aus). Oder der etwas fülligere türkische Mann und die etwas fülligere osteuropäische Frau am Nebentisch, die mehr als zwei Stunden nichts mehr bestellten, sondern sich über Sprachen und Kulturen auf Englisch unterhielten und sie ihm dabei die Unregelmäßigkeiten der türkischen Sprache näherbrachte (ich glaube, das versuchen Türkischlernende früher oder später alle einmal, auch wenn die Türken jede Unlogik ihrer Sprache irgendwie wieder umwandeln in totale Regelkonformität).

Wir brauchten ziemlich lange, um zu bestellen, da die Speisekarte viele Kategorien hat (Suppen, Salate, kalte Vorspeisen; Fleischgerichte, Gegrilltes, Fisch, warme Gemüsespeisen, Reisgerichte; Kompott, Dessert). Am Ende entschieden wir uns für einen Salat und gefüllte Auberginen als Vorspeise, gemischte Speiseplatte (mit Rindfleisch auf Auberginenpüree, Hähnchenfleisch mit Kartoffelbrei überbacken sowie Lammfleisch mit Aubergine zusammen gegrillt) und für pochierte Quitte mit Sahne und Mohnkuchen. Alles davon war sehr lecker und für zwei Personen mehr als ausreichend. Zwar ist das Restaurant vergleichsweise teuer mit Vor- und Nachspeisen zwischen 10 und 20 Lira sowie Hauptgerichten ab 20 Lira, dafür ist die Qualität aber auch besser als in den meisten, den durchschnittlichen türkischen Gaststätten, schon alleine weil alle Gerichte gut gewürzt sind. Eigentlich unterscheiden sich die türkische und die osmanische Küche nicht sehr, dennoch kann man z.B. Auberginenpüree, gefüllte Auberginen oder gegrillte Leber nicht überall finden. Auch sind so viele verschiedene Fleischgerichte auf einer Speisekarte eher selten. Aber auch für Vegetarier gibt es eine große Auswahl – und damit meine ich nicht nur Kichererbsen und dicke Bohnen ;-).

Wir rollten uns übrigens am Ende, nach Tee und türkischem Kaffee, nach Hause, mit einem kleinen Abstecher zu Mango, aber ich hielt glücklicherweise meine Shoppingdiät durch. Ab sofort gehen wir abends weniger essen, sondern wählen gutes deutsches Abendbrot mit Stulle und Brot – obwohl, das haben wir nach Weihnachten eigentlich auch schon gesagt.

Kleiner Tipp noch: Am Eingang vom Hacı Abdullah liegen gute Stadtpläne und – viel wichtiger – Broschüren auf Türkisch/Englisch u.a. mit einigen Rezepten des Restaurants zum kostenlosen Mitnehmen aus. Es lohnt sich!

Webseite: www.haciabdullah.com.tr (leider nur auf Türkisch und Arabisch)

© janavar

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