Ein Besuch in Chinatown

Als ich aus der Metro an der Canal Street ausstieg, war ich zunächst enttäuscht, weil von der berühmten Chinatown mitten in Manhattan nichts zu sehen war. Die Straße selbst wirkte eher wie eine in Istanbul – überall gab es kleine Läden sowie Straßenhändler, die versuchten, gefälschte Sachen zu verkaufen. Da ich das ohne Probleme das ganze Jahr lang tun kann, habe ich mich in den Taschen-, Klamotten-, Schmuck- und Parfumläden nicht weiter umgesehen, sondern bin die Straße weiter nach Osten gegangen, bis endlich chinesische Zeichen den Beginn des Viertels deutlich gezeigt haben – und auch die Lichterkette mit “Welcome”.

China und Chinesisch finde ich ohnehin interessant. Während meines Erasmusjahres in Irland habe ich als Hauptfach Chinesisch belegt, weil es für mich keine fachlichen Vorgaben gab. Damals konnte ich ganz gut die ersten etwa 2.000 Zeichen und noch ein paar Vokabeln mehr lesen und schreiben, aber das meiste habe ich leider vergessen. Ich glaube, wenn man die Zeichen nicht zumindest wöchentlich wiederholt, verschwinden sie einfach aus dem Gehirn. Auf jeden Fall war ich u.a. auch wegen der zwei Semester Chinesischstudium sehr neugierig auf Chinatown. In dem Viertel steht alles auf Chinesisch, das meiste aber auch auf Englisch. Sehr niedlich fand ich den McDonald’s, der neben dem uns bekannten auch einen ostasiatisch gestalteten Eingang hat.

Die meisten Häuser im Viertel sind typisch amerikanisch, dafür sind sie ganz chinesisch dekoriert. Da ich eine Woche vor dem Neujahrsfest dort war, hing überall rote Deko zum Kaufen.

Gōngxǐ fācái! = Glückwünsche und Erfolg!

Außerdem bunte Kuscheldrachen oder -löwen(???), viele Papieranhänger mit Glückwünschen, Neujahrsaufkleber, -karten und noch so viel mehr. Auf den meisten Karten waren niedliche Schlangen gedruckt, weil am 10. Februar 2013 das Jahr der Wasserschlange begann, die laut chinesischem Horoskop sehr positiv ist. Ich fand schade, dass ich zwei Tage vor dem Beginn des neuen Jahres zurückflog, aber ich schätze, dass die Feierlichkeiten wegen des Schneesturms in New York ohnehin ins Wasser – in den Schnee gefallen sind.

In den Dekorationsläden habe ich mich lange aufgehalten, weil ich alles angucken musste und am liebsten alles gekauft hätte. Die Sachen sind einfach zu süß. Außerdem haben die Chinesen offenbar ein Herz für Katzen, denn es gab auch viel Katzendeko – und damit meine ich nicht nur die Maneki-neko, die winkenden Katzen aus Plastik, die aber eigentlich aus Japan stammen. Allerdings war ich auch die einzige in den Geschäften, die nicht asiatisch aussah. Das ganze Viertel schien nur mit den Vorbereitungen ihrer Neujahrsfeiern beschäftigt. Kinder durften Glückwunschkarten aussuchen, die Erwachsenen kauften kleine Umschläge, in denen verpackt sie Kindern offenbar Geld schenken.

Gōnghè xīnxǐ = Glückwunsch und neue Freude!

Ebenso interessant wie die Geschäfte sahen die Cafés und Restaurants aus. Am liebsten hätte ich sie alle getestet, aber so viel Hunger hatte ich leider nicht. McDonald’s hat mich übrigens kein bisschen gereizt, ich hatte das Fastfood ohnehin satt und wollte mal etwas Ordentliches essen. Nur was? Ich entschied, dass es am frühen Abend schon zu spät für einen Cafébesuch war, obwohl es sooo viele Bubbletea-Cafés gibt ;-). Also etwas Herzhaftes. Nur was? Überall findet man kleine Restaurants, in den Schaufenstern hängen frisch gebratene Schweinsköpfe und -pfoten, daneben Speisekarten, auf denen für mich fast alles lecker klingt. Am Ende habe ich nach dem Aussehen des Minirestaurants gewählt und habe mir dort eine Kambodschanische Eiernudelsuppe ausgesucht. Es gab so viele Suppen auf der Karte, dass mir das Entscheiden sehr schwer viel. Für etwa 5 Dollar bekam ich eine große Schüssel voll dampfender Suppe, die wirklich lecker war. Mir ist aufgefallen, dass alle um mich herum mit Stäbchen gegessen haben, was ich zum Glück auch kann. Zumindest habe ich nirgendwo einen Gabelvorrat gesehen. Sowieso macht es viel mehr Spaß, die festen Bestandteile der Suppe erst mit den Stäbchen herauszufischen und die Brühe dann mit einem Porzellanlöffel zu schlürfen. Ich gehe davon aus, dass das Essen im ganzen Viertel sehr gut ist, weil es frisch zubereitet wird und tatsächlich von Asiaten zubereitet wird, weshalb ich verschiedene Gerichte einfach nach ihrem Aussehen testen würde.

Am Ende war ich noch in einer Bäckerei, die übrigens oben auf dem Foto auch zu sehen ist, die Taipan Bakery, wo es so viele leckere Kuchenteilchen gab. Aus Vernunftsgründen – mein Bauch war warm und voll von der Suppe – habe ich nur zwei Sachen gekauft, chinesische Kekse und ein Törtchen, dessen Füllung eine Englische Creme mit Grünem-Tee-Geschmack war. Die Kekse waren knusprig und lecker und definitiv mit weniger Zucker als unsere üblichen Kekse, weshalb ich sie an den nächsten Tagen umso lieber gegessen habe. Das Törtchen war auch yummie, aber viel zu schnell aufgegessen. – Oh, ich wünschte, es gäbe all dies auch in Istanbul zu kaufen.

Ganz am Schluss habe ich versehentlich einen fantastischen asiatischen Supermarkt entdeckt, in dem es all das zu kaufen gab, was ich schon immer haben wollte, es aber einfach nie vorher wusste, wie einen Katzen-Dust Plug (ein moderner Handyanhänger, den man in den Kopfhörerausgang steckt) oder japanische Radiergummis. Meine Shoppingergebnisse zeige ich euch aber lieber ein anderes Mal 🙂

© janavar

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